Stolz der Vereinigung



Der Springerzug



Zum Ersten,
zum Zweiten...
... und zum Dritten!!

Wenn am ersten Sonntag im Jahr bei der Versteigerungsversammlung der Zuschlag für ein Gebot erteilt wird, ist die Freude bei den jungen Männern riesengroß.

Mindestens einmal in seinem Leben als Pärchen oder an der Spitze als Bajazz im traditionel-len Herbsteiner Springerzug mitzuwirken, ist für jeden männlichen Herbsteiner eine große Ehre und Auszeichnung. Er scheut keine Kosten, manchmal sind dies mehrere tausend Euro, sich diese Ehre zu ersteigern.






Das erste Treffen des neu gebildeten Springerzuges findet schon einen Tag nach der Versteigerung statt. Bei diesem Treffen werden die wertvollen Samtkostüme anprobiert. Die Farbgebung der Kostüme ist in einer überlieferten Kostümordnung festgelegt.
In den folgenden Wochen trifft sich der Springerzug mindestens zweimal wöchentlich zum Übungsspringen. Neben dem Einstudieren des traditionellen Sprungtanzes stehen auch Choreografie und Konditionstraining auf dem Programm. Da die Zeit von der Versteigerung bis zu den ersten Auftritten unter Umständen sehr kurz ist, wird von den Springerzugmitgliedern in den Übungsstunden strengste Disziplin und Pünktlichkeit gefordert. Aber auch die Geselligkeit kommt in der Regel nie zu kurz.


Neben der Teilnahme an den Übungsstunden sind die Springer in den Wochen vor Rosenmontag verpflichtet, beim Herstellen der traditionellen Herbsteiner Fastnachtsrosen mitzuhelfen. Diese werden aus buntem Seidenpapier in mühevoller Handarbeit nach alter Tradition gefaltet und aufgesteckt. Sie zieren die Schuhe und Handschuhe der Springer sowie den
Bajazzstab.






Besonders für den Bajazz als Hauptfigur des Herbsteiner Springerzugs beginnt bereits kurz nach der Versteigerungsversammlung ein dicht gepackter Veranstaltungsmarathon. Er wird an kleineren Veranstaltungen von dem Tiroler Pärchen und bei größeren Auftritten vom gesamten Springerzug begleitet. Neben den sportlichen und tänzerischen Fähigkeiten hält der Bajazz bei diesen Veranstaltungen auch Büttenreden, sodass für ihn auch rhetorisches Können wichtig ist.
In dieser betriebsamen Zeit kommt dem Bajazz eine weitere Ehre zuteil: Vor seinem Haus wird bis zum Aschermittwoch die Vereinsfahne gehisst. Auf diese Weise ist für alle Außenstehenden deutlich sichtbar, wo der Bajazz der Herbsteiner Fastnacht wohnt.


Der Rosenmontag welcher der Höhepunkt der Herbsteiner Fastnacht ist, wird bereits am Vorabend, dem Fastnachtsonntag eingeläutet, wenn der Bajazz im Rahmen des Kinderkostümballs um 17.11 Uhr seine traditionelle Eröffnungsrede mit folgenden Worten hält:

Nun möchte ich nach alter Sitte
als Bajazz wohl in eurer Mitte,
den Start zum Rosenmontag geben,
denn Herbsteins Fastnacht, die soll leben.
Drum lad ich hiermit alle ein
zum Rosenmontag nach Herbstein


Die Eröffnung des Rosenmontags wird durch die folgende Aufforderung des 'Tiroler Mannes' abgerundet:

Herbsteins Bajazz, hat kundgetan,
dass morgen fängt die Fastnacht an.
Drum lasst uns alle fröhlich sein
und stimmet mit mir ein:
Seid froh mit Herz und Hand dabei,
es lebe hoch die Narretei
.







Jetzt steht einem fröhlichen, stimmungsgeladenen Rosenmontag nichts mehr im Wege. Der Springerzug trifft sich früh am Morgen des Rosenmontags, um von der Maskenbildnerin geschminkt zu werden. Der Rosenmontagsumzug startet dann pünktlich um 10.11 Uhr am Ver-einsheim der Fastnachtsvereinigung Herbstein mit der Eröffnungsrede des Bajazz.


Von da an zeigt sich, dass sich die harten Wochen des Trainings gelohnt haben. Der Bajazz mit seinem Springerzug führt nun einen wunderschönen Umzug aus Motivwagen, Fußgruppen und Traditionsfiguren an, der sich ca. 4 Stunden durch die Straßen von Herbstein bewegt. Der Kern dieser Tradition ist, das der Bajazz und seine Pärchen, Geschäftsleute sowie verdiente Fastnachter aufsucht.
Er lässt sie, nach alt hergebrachter Weise, 3mal hochleben, lädt sie zum Rosenmontagsball ein und erhält dafür einen Obolus. So wird deutlich, das es sich um einen uralten Heischebrauch handelt.
Der gesamte Springerzug lässt es sich auch nicht nehmen, nach Abschluss des Rosenmon-tagsumzuges auf dem Rosenmontagsball ein weiteres Mal seinen Sprungtanz aufzuführen.







Das erste Pärchen wird auf Grund der Tiroler Tracht als "Tiroler Pärchen" bezeichnet.



Das "Tiroler Pärchen" ist für den "richtigen" Sprungtakt verantwortlich. Der "Tiroler - Mann" gibt das Kommando zum Sprung.



Wo es die Gegebenheit zu lässt, werden von den sechs Pärchen Figuren gesprungen.



Ein gleichmäßiger Sprungtanz ist das großes Ziel des Springerzuges in jedem Jahr.